Husby Klitplantage

Die Husby Klitplantage Route bei der Nordsee

Beginnen Sie die Wanderung am gemütlichen Fjordhafen Helmklink Havn (Hagevej 190, 6990 Ulfborg). Von hier aus gibt es entlang der gesamten Route blaue Pfeile an roten Masten

Text: Kamilla Husted Bendtsen, Vestkyst Magasinet

Neue Route durch alte Spuren in der Landschaft

Eine neue Wanderroute in Husby wird im Mai von dem Deutschen Wanderinstitut e.V. als Premiumweg zertifiziert. Über ganz Europa zeichnet das deutsche Wanderinstitut Premiumwanderwege mit dem deutschen Wandersiegel aus.

Hier kann man über eine große Weite hinausblicken und sich inmitten der ausgestreckten Landschaft klein fühlen. Hier kann man das erlösende Einsamkeitsgefühl erleben: Klein, allein und dennoch verbunden mit Unendlichkeit und Schönheit. Diese Beschreibung wird bei vielen, die gerne an der Nordsee und in der Westjütländischen Dünenlandschaft wandern, sicherlich Widerhall finden. Aber wenn man wandert, ist man niemals allein. Man wird immer in die Fußstapfen all derer treten, die schon einmal hier waren. Für eine kurze Zeit hinterlässt man in dieser Landschaft auch seine eigenen Fußspuren, bis sie wieder durch Wind, Wetter oder andere Stiefel weggewischt werden, wonach sie für ewig mit inbegriffen sein werden in der Reihe der Spuren, die hier über die Zeit gemacht wurden.

Die Husby Dünenplantage hat dem neu gebauten Wanderweg den Namen gegeben: die Husby Dünenplantage-Route, und die Geschichte der Plantage begann tatsächlich mit einem historischen Spaziergang. In der Plantage geht man in den Fußspuren von vier gutgesinnten Dünenbauern, die sich im Jahr 1856 ihre Wanderschuhe angeschnürt haben und zu Fuß den ganzen Weg zum König gingen, um bei ihm über die Sorgen der Gemeinde zu klagen. Husby drohte zu Ertrinken. Aber nicht in den wilden Wellen der Nordsee, sondern im Sand. Sandtreiben ist hier seit Generationen ein Problem, welches das Gebiet und das Leben prägt. Bereits im 16. Jahrhundert verbot der König die Entfernung von Vegetation aus dem Gebiet. Alle Pflanzen sollten helfen, den fliegenden Sand aufzuhalten. Aber 1856 wurde es zu viel. Die Felder waren voller Sand und die Husby Gemeinde würde bald ganz bedeckt sein. Der Sand machte schon kleine Hügel vor der Kirche. Glücklicherweise reagierte der König, der zu dieser Zeit Friedrich der Siebte hieß, auf die Probleme der Bauern. Er gab ihnen außerdem etwas Reisegeld, so dass sie zumindest nicht wieder den ganzen Weg zurückgehen mußten, und im Jahre 1858 kam der erste Dünen-Pflanzer, Drewsen, nach Husby. Das war der Startschuß der Husby Dünenplantage und damit das Ende des gewaltigen Sandtreibens.

Eine abwechslungsreiche Plantage

Die Wanderung der vier Bauern zum König hat auf diese Weise nachfolgend den Ausdruck des gesamten Gebietes geprägt. Dünen-Pflanzer Drewsen pflanzte in der ersten Runde Latschenkiefer, welche guten Schutz gaben, und dann eine Reihe von anderen Hölzern, mit denen er zu experimentieren gehegte, um diese zum wachsen zu bekommen. Daher besteht Husby Dünenplantage heute aus einer sehr abwechslungsreichen Natur, mit vielen verschiedenen Holzarten und somit Lebensräume für viele verschiedene Pflanzen und Tiere. Die Bäume wurden direkt auf die großen Sanddünen gepflanzt, und das bewirkte, dass die Oberfläche und die Wege in Schlangenlinien und auf- und abgehen, nach Westjütlands Standard, ein sehr hügeliges Gelände. Die Plantage ist heute sehr beliebt und vielbesucht von Fußgängern, Hundehaltern, Reitern und Mountainbikern. Daher gab es keinen Zweifel darüber, dass es die hügelige und abwechslungsreiche Landschaft von der Husby Dünenplantage ist, die der neue Wanderweg umlaufen sollte.

Es sind Visit Holstebro, Geopark Jütland und das Nissum Fjord Netzwerk, die als Veranstalter hinter der Anlegung des neuen Wanderwegs stehen, mit dem Ziel die Strecke als Premiumweg mit dem Deutschen Wandersiegel zertifikiert zu bekommen. So wird die Strecke unter dem deutschen Wanderverband ”Premuimweg-Routen in Europa” vermarktet, was eine Garantie dafür ist, dass die Route etwas besonderes ist und sich die Fahrt dahin lohnt.

Hier gibt es Wald, Meer, Fjord und Dünen

Natürlich besteht die Hoffnung, dass der größere Fokus auf das einzigartige Naturgebiet rund um die Dünenanlage dazu beitragen kann, Touristen anzulocken. Erfahrungen von einer Route am Mariager Fjord, die ebenfalls mit dem Premiumweg ausgezeichnet ist, zeigen, dass es besonders außerhalb der Hochsaison im Sommer Menschen anzieht.

Vibeke Albinus arbeitet ehrenamtlich im Nissum Fjord Netzwerk. Darüber hinaus haben sie und ihr Ehemann über 35 Jahre in der Mitte der Husby Dünenplantage gewohnt, und sie ist auch eine fleißige Wanderin, Reiterin und Kräuterkennerin. Aufgrund ihres großen Wissens über die Gegend, wurde sie und die ehrenamtliche Mitarbeiterin Merete Krøjgaard gebeten, eine geeignete Route zu finden, die den vielen Anforderungen gerecht wird, Anforderungen die mitfolgen, wenn man vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert werden möchte. Und das war kein Problem, sagt sie.

Eine der Hauptanforderungen für die Route ist die Variation. Die Oberfläche, auf der man sich bewegt, und die umgebende Natur müssen für eine bestimmte Anzahl von Kilometern variieren.
"Husby Dünenplantage und die Umgebung sind perfekt für einen Premiumweg", erklärt Vibeke Albinus.
"Hier sind Wälder, Meere, Fjorde, Dünen und Heide und fantastische Geschichten über die Landschaft, welche man bei einer Tour auch mitnehmen kann."

Vom zerzaustem Dickicht zu großen Buchen

Die Route erstreckt sich über 15 Kilometer, und natürlich kann man die Tour überall starten. Die Empfehlung ist jedoch, dass man die Wanderung am Helmklink Hafen beginnt, dem größten der Fjordhäfen am Nissum Fjord. Von hier geht es weiter gegen dem Uhrzeigersinn nach Spidsbjerg Strand und nach Marens Maw (Marens Bauch), wo die Tour auf neun Kilometer verkürzt werden kann. Die offizielle Route führt jedoch weiter nach Græm, zum Badesee bei Skavemosen, und von hier aus beginnt man zurückzuwandern, entlang Langelinie nach Søren Moses Havvej. Man trifft auf den Fjand Hofladen, wo hungrige und Kaffeebedürftige Wanderer eine Pause machen können, bevor man den allerletzten Teil der Route startet und man wieder vor dem Helmklink Hafen ankommt, wo hinter einem 16 km Spuren Geschichte liegen. Am Spidsbjerg Strand erhascht man den ersten Meeresblick dieser Tour. Aber wenn man in die andere Richtung schaut, in Richtung Land, kann man die Dünenplantage sehen, die klein als Dünenheide beginnt. Man kann zum Beispiel beobachten, dass die Vegetation in Richtung Westen und dem pfeifenden Westwind fast nur aus dickichtartiger Latschenkiefer und kleinen zerblasenen Eichendickichten bestehen. Sie bieten jedoch Schutz für die nächsten, größeren Bäume, und weiter in der Plantage findet man schöne, große Wälder, Sitka und wertvolle Bäume und auch Laubhölzer wie Eiche und Buche. In der Tat beherbergt die Husby Dünenplantage Dänemarks westlichsten Buchenwald am Lergravvej. Die Buchen können hier wachsen, weil die anderen Bäume mehr und mehr Schutz bieten, um so weiter man in die Plantage kommt.

Bei Spidsbjerg führt die Route auch am Bunker in den Dünen vorbei. Ein Zeuge eines, in diesem Zusammenhang, neueren und gruseligeren Teils der Geschichte, welche sich hier bei Husby abgespielt hatte.

Eine liederliche Geschichte an einem schönen Ort

Die Route führt vom Bunker vorbei an den Wanderdünen, wo sich weißer Sand durch die Landschaft bewegt. Zur Zeit deckt es einen Teil des Weges, Raketvej, ab, wie der Weg hier genannt wird. Man könnte versucht sein zu glauben, dass der etwas eigenartige Name für einen solchen schönen Weg durch die Dünen und Strandhafer auch ein Relikt aus dem Krieg ist, genau wie der Bunker, den man gerade gesehen hat. Das ist er nicht. Auf Raketvej tritt man direkt auf ein großes und gewalttätiges Kapitel in der Geschichte der Küste. Hier tritt man in die Fußstapfen von rotnäsigen, breitschultrigen Westjütländern. Die besten Männer der Region, die oft ihr Leben riskiert und verloren haben, um andere zu retten. Während der Blütezeit der Seefahrt wurden die meisten Waren per Schiff versandt. Die Nordsee vor Jütland war ein wichtiger Weg für die vielen Schiffe, eine Autobahn, wenn Sie mögen, und Waren und Schiffe aus der ganzen Welt segelten hier an die Tausenden. Aber die Küste ist gnadenlos. Man segelte nur mit der Hilfe von Landkenntnissen. Kein modernes GPS. Es machte es schwierig sich orientieren zu können, wo man war. Die Bodenverhältnisse mit Löchern sind heimtückisch und die Nordseekräfte sind riesig. Die ”Eisenküste” wurde die Linie entlang der Westküste von Jütland genannt, denn Schiffe wurden hier zu Brennholz gemacht, als sie gegen Eisenkämme der Meereswellen geworfen wurden. Zum Beispiel wurden in nur 24 Jahren, von 1858 bis 1882, nicht weniger als 1200 Strandungen entlang der ”Eisenküste” - Linie registriert. Viele Seeleute verloren im 19. Jahrhundert ihr Leben vor Westjütland. Eine der berühmtesten Strandungen waren die englischen Schiffe HMS St. George und HMS Defence, die beide in der Weihnachtsnacht in 1811 vor Thorsminde gestrandet sind. 1400 Seeleute starben allein in dieser Strandung.

In den Spuren der Helden der Eisernen Küste

Aber hier entlang des Weges Raketvej, der sich durch die Dünen und den Strandhafer schlängelt, gingen sie: Die jütländischen Rettungsmänner. An Land wurde schließlich ein Rettungssystem eingerichtet. Mit Rettungsstationen und Rettungsbooten und dann Strandwächter. Als Strandwacht ging man im Winterhalbjahr bei jedem Wetter allein und man ging im Dunkeln. Jedes Licht könnte verwechselt werden, vom Meer aus. Schiffe konnten denken, dass das Licht von einem anderen Schiff kam und dass es daher genug Wasser gab, um näher an die Küste zu fahren, wo sie dann auf Grund auflaufen würden. Man ging jede Nacht 18 Kilometer auf der Strecke von Husby, um nach Schiffen in Not zu suchen. 90 Øre pro Stunde war das Gehalt. Es war während dieses systemisierten Rettungsdienstes, wo man herausfand, einen Raketenapparat zu benutzen. Das Gerät wurde entlang des Raketvej durch die Dünen gezogen, bis man vor der Stelle war, wo ein Schiff in Not war. War das Schiff nah genug vor Land, konnte man ein Seil mit der Rakete abschießen. Das Seil wurde an den Mast des Schiffes gebunden und die Besatzung konnte so in Sicherheit geführt werden. Der Raketenapparat welcher zu Raketvej bei Spidsbjerg und Husby gehörte, stand auf Vedersø Klit. Er wurde das letzte Mal im Jahr 1953 verwendet.

Hier kann man die Augen weit strecken lassen

Weiter auf der Route, die in jener Zeit von den Stiefeln der Wachtmänner und den Radspuren des Raketenapparats der durch die Dünen gezogen wurde, geformt wurde, kommt einer der spektakulärsten Ausblicke auf dieser Tour: Marens Maw (Marens Mave = Marens Bauch). Das Gelände ist hier sehr hügelig. Eine Westjütland-Berglandschaft. Marens Maw erscheint wie ein kleiner Gipfel in der Landschaft. Diesen bemerkten zwei Waldarbeiter seinerzeits und einer rief: "Es sieht aus wie Marens Bauch", mit dem Gedanken an seine schwangere Frau zu Hause. Hier steigt man also nicht nur die Landschaft herauf zu einer wunderbaren Aussicht, sondern erinnert sich auch an die erwartungsvolle Wartezeit eines zukünftigen Vaters. Marens Maw ist heute schon fast ein ikonischer Ort in der Husby Plantage, zu dem viele eine besondere Beziehung haben, und es war selbstverständlich, dass dieser Ort ein Teil der Route sein sollte, sagt Vibeke Albinus.

„Das hier ist wirklich etwas Besonderes. Es ist so unglaublich hoch bis zum Himmel. Ich denke immer an Hans Edvard Nørregård-Nielsens Zitat über den Ort, wenn ich hier stehe. Er schreibt, dass das Auge hier wirklich die Erlaubnis hat sich weit auszustrecken. Ich denke, das ist die richtige Beschreibung für die Art und Weise, wie man die Sicht und den unendlichen Horizont hier oben erlebt ", sagt sie.

Landschaft, von der Eiszeit geformt

Die menschliche Verbindung zu der Landschaft, entlang der neuen Route, war groß im Laufe der Zeit. Die Landschaft dieser Strecke trägt dazu auch Spuren aus der Geschichte, bevor Menschen hierher kamen und mit Sandverwehungen und Strandungen kämpften - oder wie heute, den Ausblick genossen.

Daher war Geopark Vestjylland ein natürlicher Mitspieler des Projektes. Das sagt der Leiter des Geopark-Sekretariats Thomas Holst Christensen: „Im Geopark Westjütland ist es unser Ziel, die geologisch interessanten Gebiete auf eine Art und Weise vorzustellen, die eine gewisse Faszination für die Orte erzeugt. Wir tun dies, in dem wir die Geschichte der Landschaft und der menschlichen Kulturgeschichte zusammen verknüpfen. Die neue Route führt durch die Umgebung des Geoparks, mit vielen geologisch spannende Spuren in dieser Landschaft, und so hat das Gebiet um Husby auch eine unglaublich interessante Geschichte über die Interaktion zwischen Mensch und Landschaft ", erklärt er.

Thomas Holst Christensen betont insbesondere zwei Phänomene auf der Route, die besonders geologisch interessant sind. Beide in der Nähe von Græm Strand.

"Græm Strand hat Græm Klippe, eine Art" Mini-Bovbjerg". Die Steilküsten sind einzigartig, weil man sozusagen direkt in die Geologie reinschauen kann. Hier sieht man die Schichten und Ablagerungen aus der Eiszeit", erklärt er.

Macht Appetit auf mehr

Außerdem enthält Græm einen Teil von Dänemarks größter Parabeldüne, welche Skovbjerg heißt. Eine Parabeldüne erinnert formmässig an ein Hufeisen und in der Mitte der beiden "Arme" befindet sich ein ganz besonderer Landschaftstyp, der Atlantische Dünenheide genannt wird. Der natürliche Lebensraum ist nach EU-Recht geschützt, und vor kurzem hat die Naturbehörde große Anstrengungen unternommen, um die vielen Kiefern zu fållen, die in das Gebiet von Græm eingedrungen sind.

"Jetzt plagen Sandverwehungen nicht mehr auf die gleiche Weise wie zuvor. Jetzt kann man beginnen, die Natur, die mit der Dünenheide verbunden ist, zu schätzen und daher Bäume zu fällen und wieder ein wenig Sandverwehungen zuzulassen, um es zu bewahren. Es berichtet auch über die menschliche Beziehung mit der Landschaft heute ", sagt Thomas Holst Christensen.

An einzelnen Orten entlang der Route sind Informationstafeln aufgestellt. Dies gilt auch für die Parabeldüne und Græm Klint, also braucht man keine Angst zu haben, die Plätze zu verpassen.

Thomas Holst Christensen erklärt auch, dass er hofft, dass die neue Route den Besuchern Appetit auf mehr geben wird.

"Teils bekommt man ja ganz automatisch einen guten Appetit auf so einer Tour. Ich hoffe, dass die Wanderer die guten lokalen Produkte in der Gegend kosten werden, und teils ist die ganze Landschaft hier in Westjütland voller spannender Geschichten, sowohl geologisch als auch kulturhistorisch. Ich hoffe, die Erfahrungen auf der Strecke machen Appetit darauf, möglicherweise hier in unserer spannenden Gegend noch mehr Plätze zu erkunden ", sagt er.

 

Fakten über die Husby Dünenplantage

Die Husby Dünenplantage Route ist eine neu entwickelte Route von 15 km, vom Hafen Helmklink am Nissum Fjord durch die Landschaft bei Spidsbjerg, Marens Maw und Skavemosen und zurück durch die Dünenplantage und Fjand.

Es sind Visit Holstebro, Geopark Vestjylland und das Nissum Fjord Network, die hinter der neuen Route stehen.

Die Route wird im Frühjahr 2018 als Premiumweg zertifiziert im Rahmen des deutschen Wanderverband-Zertifizierungsprogramms.

Um zertifiziert zu werden, muss die Route eine Reihe von Anforderungen erfüllen: Der Boden und die Landschaft müssen sehr variiert sein, es müssen klare Wegweiser, Toilettenanlagen und Tisch- und Bankanlagen für große Gruppen vorhanden sein.

Die Naturbehörde war ein wichtiger Partner in diesem Prozess und hat mit den verschiedenen Einrichtungen, sowie der Verlegung neuer Wege in Verbindung mit der Route, geholfen.

Die Route wird auch mit dem ”Dansk Vandrelaug” Siegel als Qualitätsweg zertifiziert.

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